Burghard Müller-Dannhausen

Berichte, Dokumentationen, Darstellungen

Report 04/2009

Die Städtischen Museen in Montbéliard/Frankreich zeigen vom 19. Juni bis 2. November 2009 die Ausstellung „L’oblique – Un regard sur la géometrie contemporaine“. Über 100 Exponate internationaler Vertreter der Konkreten Kunst decken die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ab und reichen bis in die unmittelbare Gegenwart. Darunter befindet sich auch das Gemälde „1-5-7“ von Burghard Müller-Dannhausen, entstanden 2001 und seit 2003 im Besitz der Museen in Montbéliard.

1-5-7, 2001
Acryl auf Leinwand
80 x 100 cm
Musées de Montbéliard
MM-001


Die Ausstellung thematisiert die Schräge und ihre Bedeutung im bildnerischen Denken. Diese Bedeutung – innerhalb und ebenso außerhalb der Konkreten Kunst – reicht vom Formalen bis weit in den Bereich des Inhaltlichen. Die einführenden Essays des Kataloges zeigen auf, daß die Schräge nicht nur das Instabile, das Bewegte, das Fließende, und das unendlich Variable in die bildnerische Form einbringt, sondern auch Subjektivität, Individualität, Reflexion und Unsicherheit in der Bildaussage verankert.

Vor allem der Hinweis auf El Lissitzky (im Essay von Marcello Faletra) stellt eine Verbindung her zwischen der Schräge und dem Prinzip des Epischen. Nach den Worten des Autors bezeichnet die Schräge die dritte Möglichkeit: nicht die Position des Dieners oder des Meisters, sondern den Weg der Emanzipation. Das Epische beinhaltet die Aktion, die Mut und zugleich Wahrheit zeigt. In diesem Sinn wird die Schräge zu einer epischen Energie.

Diese und andere Gedanken finden im Katalog breiten Raum und werden durch die ausgestellten Werke bestätigt und immer wieder aufs Neue geweckt und belebt.

Zufahrt zum
Musée du château
des ducs de Wurtemberg
Montbéliard
MM-002
Im Treppenhaus des
Musée du château
des ducs de Wurtemberg
Montbéliard
MM-003
Bernard Fauchille
Direktor
der Museen Montbéliard
und Kurator der
Ausstellung „L’Oblique“
MM-004

Das Bild 1-5-7 fand in der Ausstellung einen Platz, der unterschiedliche Nachbarschaften herstellt. Daraus ergeben sich für den Betrachter vielfältige Vergleiche. Die Gegensätze berühren vor allem die Frage, ob eine Bildlösung ihr Vokabular „thematisiert“ oder „benutzt“. Das heißt: Sind die formalen Mittel (hier vor allem die Schräge) Gegenstand der Untersuchung und werden dem Betrachter in ihrer Funktion für das Bildergebnis vorgeführt? Oder gehen die formalen Mittel ganz in der Bildaussage bzw. in der Poesie des Bildes auf? Anders gefragt: Liegt der Fokus auf der Bildsprache und ihrer Bedeutung für die Bildwirkung oder auf der Bildwirkung allein? Das führt letztlich zu der Frage: Wieweit realisiert die Schräge wirklich ihr episches Potential? Doch die Frage richtet sich nicht nur auf die Schräge, sondern auf den formalen Aspekt generell und gilt ebenso für das Systematische oder die Farbe. Wieweit ist das Formale Thema, wieweit ist es nur Voraussetzung für eine inhaltliche Wirkung. Vor dem Hintergrund solcher Fragestellungen wird die Eigenart von 1-5-7 gerade im Vergleich mit anderen Werken deutlich.

1-5-7 mit Werken von:
Marcello Morandini,
Heinrich Siepmann,
Anton Stankowski,
Filomena Iride Spissu,
Hans Jörg Glattfelder,
Maura Saddi (v. l.)
MM-005
1-5-7 mit Werken von:
Hans Jörg Glattfelder,
Maura Saddi,
César Doméla (v. l.)
MM-006
1-5-7 zusammen mit
Relief No. 301
von César Doméla
MM-007
1-5-7 mit Werken von:
Heijo Hangen,
Marta Iglesias,
Shizuko Yoshikawa,
Julián Gil,
Gottfried Honegger (v. l.)
MM-008
1-5-7 mit Werken von:
Marta Iglesias,
Shizuko Yoshikawa,
Julián Gil,
Gottfried Honegger (v. l.)
MM-009
1-5-7 mit Werken von:
Shizuko Yoshikawa,
Julián Gil (v. l.)
MM-010
1-5-7 mit Werken von:
Anton Stankowski,
Lienhard v. Monkiewitsch,
Gottfried Honegger (v. l.)
MM-011
1-5-7 mit Werken von:
Maura Saddi,
Najia Mehadji,
Vincent Batbedat (Objekt),
Opy Zouni,
Franz Spath (Objekt),
Günter Fruhtrunk (v. l.)
MM-012
1-5-7 mit Werken von:
Franz Spath (Objekt),
Opy Zouni,
Günter Fruhtrunk (v. l.)
MM-013

Die Werke der Ausstellung stammen aus den
Städtischen Museen Montbéliard und von folgenden Leihgebern:

Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt
Museum Ritter, Waldenbuch
Musée des Beaux-Arts de Cambrai
Sammlung Würth, Künzelsau, Erstein
Atelier Fanal, Basel


Die Ausstellung zeigt Werke folgender Künstler:

Josef AlbersGetulio Alviani
Hermann BartelsVincent Batbedat
Henryk BerlewiOde Bertrand
Charles BézieHartmut Böhm
Bob BoniesGael Bourmaud
Pol BuryJohn Carter
Geneviève ClaisseRoman Clemens
Gianni ColomboCarlos Cruz Diez
Ad DekkersNorman Dilworth
César DomélaEdouard Fauve
Günter FruhtrunkTomás García Asensió
Julián GilEmile Gilioli
Hans Jörg GlattfelderHermann Glöckner
Jean GorinHeijo Hangen
Jean HelionRoland Helmer
Gottfried HoneggerMarta Iglesias
Imre KocsisJosef Linschinger
Verena LoewensbergGiovanni Mario Maesano
Alberto MagnelliNajia Mehadji
Juan MeleAdelberto Mecarelli
Manfred MohrVera Molnar
Lienhard von MonkiewitschCharles-Henri Monvert
Marcello MorandiniFrancois Morellet
Inaki Moreno Ruiz de EguinoMitsouko Mori
Mehdi MoutasharBurghard Müller-Dannhausen
Istvan NadlerJoan Pala
Nausica PastraMaud Peauit
Lucio del PezzoTorsten Ridell
Jaume RocamoraSigurd Rompza
Albert RubensNelly Rudin
Maura SaddiBernhard Sandfort
Diet SaylerHeinrich Siepmann
Rudolf SikoraFranz Spath
Filomena Iride SpissuAnton Stankowski
Klaus StaudtNorbert Thomas
Günther UeckerVictor Vasarely
Ludwig WildingShizuko Yoshikawa
Hans Helmut ZimmermannOpy Zouni

Der Katalog enthält Beiträge von:

Jacques Hélias, Oberbürgermeister von Montbéliard
Bernard Fauchille, Direktor der Museen Montbéliard
Marcello Faletra, Professor an der Universität Palermo
Alexandre Mare, Essayist, Kritiker und Dozent
Dietmar Guderian, Professor an der Pädagogischen Hochschule
Freiburg im Breisgau
Gilles Plazy, Schriftsteller und Kritiker
Diet Sayler, Professor an der Kunstakademie Nürnberg