Burghard Müller-Dannhausen
Henrike Ingenthron
Farbwald – Farbwelt
Einführungsvortrag zur Ausstellungseröffnung in der Galerie Katrin Hiestand am 6. Juni 2015
Einführungsvortrag zur Ausstellungseröffnung in der Galerie Katrin Hiestand am 6. Juni 2015 - Burghard Müller-Dannhausen
erstellt 14.06.2015
Burghard Müller-Dannhausen
Der Farbwald
Essay zum Kunstbeitrag auf der Landesgartenschau 2015 in Landau/Pfalz
Essay zum Kunstbeitrag auf der 
Landesgartenschau 2015 in Landau/Pfalz - Burghard Müller-Dannhausen
erstellt 14.06.2015
Helmut Kesberg
Kontraste
Einführungsvortrag zur Ausstellung im Kunstverein Frechen, 2014
Einführungsvortrag zur Ausstellung
im Kunstverein Frechen, 2014 - Burghard Müller-Dannhausen
erstellt 16.10.2014
Birgit Sommer
Bildraum
Einführungsvortrag zur Ausstellung im Kunstverein Neckar-Odenwald, 2014
Einführungsvortrag zur Ausstellung
im Kunstverein Neckar-Odenwald, 2014 - Burghard Müller-Dannhausen
erstellt 16.10.2014
Burghard Müller-Dannhausen
Die Farbwand
Essay zur Gestaltung der Magistrale im Rems-Murr-Klinikum Winnenden, 2012/2013
Essay zur Gestaltung der Magistrale
im Rems-Murr-Klinikum Winnenden, 2012/2013 - Burghard Müller-Dannhausen
erstellt 16.10.2014
Burghard Müller-Dannhausen
Zur Farbwand
Vorträge zur Einreichung des Wettbewerbsbeitrags für das Rems-Murr-Klinikum in Winnenden 2012
Vorträge zur Einreichung des Wettbewerbsbeitrags
für das Rems-Murr-Klinikum in Winnenden 2012 - Burghard Müller-Dannhausen
erstellt 16.10.2014
Burghard Müller-Dannhausen
Zu dieser Ausstellung
Vortrag zur Führung im Kunstverein Radolfzell, am 29. April 2012
Vortrag zur Führung im Kunstverein Radolfzell,
am 29. April 2012 - Burghard Müller-Dannhausen
erstellt 16.10.2014
Burghard Müller-Dannhausen
Das Bild-Objekt „Illusion“
Essay zu einem Kunstkonzept für den „Brutkasten“ der Metron AG in Brugg/Aargau, 2011/2012
erstellt 16.10.2014

Das Bild-Objekt „Illusion“ wurde konzipiert für gegebene Voraussetzungen, und zwar: für einen festen Ort und für einen bestimmten Anlass.

Der feste Ort ist der „Brutkasten“, ein gläserner Würfel auf Augenhöhe, getragen von einem Betonsockel. Schaukasten und Sockel bilden gemeinsam die geschlossene Form einer Vierkantsäule – 60 cm breit, 180 cm hoch. Diese Vierkantsäule setzt einen Kontrapunkt zum Gebäude der Metron AG, einem Planungsunternehmen für Architektur, Raumentwicklung, Verkehr, Landschaft und Umwelt in Brugg/Aargau. Die geschwungenen Fassaden des mehrgeschossigen Gebäudes enden in einem spitzen Winkel, der dem Bauwerk sein besonderes Profil gibt. Diesem „Bug“ wird die Rechtwinkligkeit des Brutkastens vorangestellt – als ideelle Antithese zur realen Form des Baukörpers und als Zitat des Quadrats, der Ur-Gestalt planerischer Tätigkeit. Die Platzierung des Objekts in diesem Brutkasten hat somit programmatischen Charakter.

Daraus ergibt sich der Anlass. Denn der Brutkasten ist als gemeinsame Aktion aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Metron AG ein Stück Unternehmenskultur. In halbjährlichem Turnus werden hier Kunstwerke ausgestellt, die ein gegebenes Thema umsetzen. Das Thema wird im Kreis der Mitarbeiter gewählt und hat in jedem Fall zentrale Bedeutung für das Selbstverständnis des Unternehmens. Es reflektiert einen Aspekt der gemeinsamen planerischen und kreativen Arbeit. In diesem Fall lautet das Thema „Illusion“.

Das Bild-Objekt „Illusion“ orientiert sich an seinen Voraussetzungen und bezieht sich zunächst auf den festen Ort. Die Größe ist dem Glaswürfel eingepasst und gleicht sich dem Format der vier metallgerahmten „Fenster“ an. Als Objekt ist es ein dreidimensionales Gebilde, das einen Raum ausmisst. Als Bild-Objekt ist es auf die Ansichten hin gestaltet, die das jeweilige Fenster bietet. Dieses Bild-Objekt nimmt die Form des Brutkastens auf, indem es die Vierkantsäule mehrfach wiederholt. Im Einzelnen wiederholen sich immer wieder die Senkrechte und ebenso der quadratische Grundriss.

Durch diese formalen Bezüge ist das Objekt vielfältig an seinem Ort verankert. Seine Struktur ist so beschaffen, dass aus allen Richtungen, also durch alle vier Fenster, das gleiche Bild vermittelt wird: in die Tiefe gestaffelte Vierkantsäulen, die die gesamte Höhe des Fensters füllen und symmetrisch angeordnet sind. Ein Bild also, das durch eine Folge von Vertikalen gegliedert ist. Dieses vierfache Bild ergibt sich aus einer einfachen Konstruktion. Die Vierkantsäulen besetzen die beiden Diagonalen und bilden damit einen x-förmigen Grundriss. Von einer Mittelsäule gehen vier Flügel mit jeweils 4 Säulen aus und enden in den vier Ecken. 17 Säulen sind es insgesamt. In jedem der vier Fenster sind 9 Säulen zu sehen. Dass die vier Fenster wirklich gesehen werden, liegt am regelmäßigen Passantenverkehr auf den beiden Wegen, die sich am Brutkasten gabeln bzw. treffen. Soviel zum Bezug auf den Ort.

Der Bezug auf den Anlass besteht in der Umsetzung des gegebenen Themas. Hier wird Illusion als Täuschung der Wahrnehmung inszeniert. Die Realität des Objektes – einfach strukturiert und im Vorigen ausführlich beschrieben – zeigt sich dem Betrachter in aller Offenheit. Doch das Bild, das er empfängt, gibt ihm die Illusion einer anderen Realität als der vorhandenen. Diese Wirkung wird erreicht durch das Farbkonzept.

Um Farbe illusionsfördernd einzusetzen, wurden intensive Töne aus dem Rot- und Blau-Bereich ausgewählt. Der Ausstellungszeitraum umfasst das Winterhalbjahr, so dass die Betrachtung zeitweise in der Dunkelheit stattfindet. Durch die Lichtgebung innerhalb des Brutkastens werden dann die Farben ihre ganze Kraft entfalten, und der gesamte Brutkasten wird weithin in der Dunkelheit leuchten. Das Rot erhält deshalb eine Dominanz. Zwar wird den Rot- und Blau-Tönen jeweils der gleiche Mengenanteil zugewiesen, doch das Rot belegt alle den Fenstern zugewandten Flächen, während das Blau den Flächen zugewiesen wird, die sich im rechten Winkel zum Fenster in die Tiefe erstrecken. Ein Betrachter, der frontal vor einem Fenster steht, sieht daher nur die rote Farbe. Steht er hingegen vor einer Ecke des Kubus und sieht zwei Fenster gleichermaßen im Winkel, sieht er auch die einzelnen Vierkantsäulen des Objekts im Winkel und somit Rot und Blau in gleicher Gewichtung. Bewegt er sich am Brutkasten entlang oder um den Brutkasten herum, changiert der Farbeindruck vom reinen Rot hin zu einer wachsenden Blau-Beimischung. Damit ist schon eine erste Möglichkeit der Illusion ausgespielt. Die Farbigkeit scheint sich zu verändern, bleibt aber in Wahrheit konstant.

Rot und Blau treffen an keiner Stelle aufeinander, sondern sind überall durch schmale Stege in dunklem Rotviolett getrennt. Dieser Farbton – das Pigment ist Thio-Indigo – wird um die Kanten der Vierkantsäulen herumgemalt. Ein konstitutives Element des Objekts, die rechtwinklige Kante, wird also durch Farbe zum Verschwinden gebracht. Mehr noch: Selbst die Senkrechte, wichtiges Bezugsmerkmal zur Vierkantsäule des Brutkastens, wird ebenfalls optisch eliminiert. Nur im Faktischen von Material und Konstruktion sind die Kante als haptische Erfahrung und die Senkrechte als elementare Richtung noch enthalten. Das rein Optische des Farbeindrucks besitzt diese Merkmale nicht mehr. Der optische Eindruck wird bei diesem Objekt allein durch die Farbe bestimmt, ihren Kontrast, ihre Verteilung, ihre Begrenzung und ihren Rhythmus. Die materielle Form hat keinen Anteil mehr am sichtbaren Eindruck. Damit ist das Bild-Objekt ein Objekt der Farbmalerei. Die Farbe öffnet die Möglichkeiten, Illusionen zu erzeugen.

Zu diesen Möglichkeiten gehört zuerst, dem Objekt die Statik des Senkrechten zu entziehen. Die Farbbahnen und ihre Begrenzungen weisen nirgendwo eine Senkrechte auf. In der sichtbaren Erscheinung gibt es nur noch Schrägen. Damit scheinen die nur annähernd senkrechten Farbsäulen zu kippen, zumal die Schrägen gegeneinander laufen. Sie kippen nach innen zur Mittelsäule hin – so der optische Eindruck. Sie scheinen auch nach vorne und nach hinten zu kippen – so der irritierende Eindruck nach intensiver Betrachtung.

Eine weitere Illusion ergibt sich aus der Aufhebung der Symmetrie. Der Aufbau des Objekts weist jedem Fenster eine symmetrische Anordnung von zwei Flügeln aus je 4 Säulen zu, die ein Spalier in die Tiefe auf die Mittelsäule hin bilden. Doch die Farbgebung schlägt die Mittelsäule dem linken Flügel zu, der dadurch breiter erscheint. Ein hellerer Farbton lässt die Säulen rechts als eine dominierende, nach vorne drängende Kulisse erscheinen, die den linken Flügel als zurückgesetzte Ebene scheinbar verschattet. Die Kulissensituation verdrängt die Spaliersituation. Damit wird eine ganz andere Geschichte erzählt. Die Raumtiefe wird zurückgenommen. Die einfache Konstruktion des Objekts hat keine Chance mehr, sich dem Betrachter zu erschließen. Er sieht nur noch subjektive Bilder, die sich beim Herumgehen um den Brutkasten verändern wie ein Film.

Diese kinetische ist wohl die bedeutsamste der Illusionen. Während der Betrachter zuvor nur etwas zu sehen glaubt, was nicht vorhanden ist, glaubt er hier an eine Bewegung des Objekts, obwohl er selbst es ist, der sich bewegt.

Das Bild-Objekt „Illusion“ bestätigt seinen Namen auf vielfache Weise und handelt von der Ursache aller optischen Illusionen, der Wahrnehmung.

Zu diesem Projekt siehe Report 02/2012.

Jochen Ludwig
Der offene Rahmen
Pressetext zum Kunstkonzept für das Gebäude des Museums für Neue Kunst, 23.7. - 25.9.2011
Pressetext zum Kunstkonzept für das Gebäude
des Museums für Neue Kunst, 23.7. - 25.9.2011 - Burghard Müller-Dannhausen
erstellt 16.10.2014
Burghard Müller-Dannhausen
The Walking Horizon
Essay zum Kunstkonzept für die Gallery on Lex im Grand Hyatt New York, 2011
Essay zum Kunstkonzept für die Gallery on Lex
im Grand Hyatt New York, 2011 - Burghard Müller-Dannhausen
erstellt 16.10.2014
Burghard Müller-Dannhausen
Was ist Bildhaftigkeit?
Essay für den Katalog „Bilder“ zur Ausstellung in der Städtischen Galerie Zwickau. 1995
Essay für den Katalog „Bilder“ zur Ausstellung
in der Städtischen Galerie Zwickau. 1995 - Burghard Müller-Dannhausen
erstellt 16.10.2014
Peter Bentel
Über die schweigende Fülle der Malerei
Eine Antwort auf Burghard Müller-Dannhausens Arbeiten (Katalogtext 1992)
Eine Antwort auf Burghard Müller-Dannhausens
Arbeiten (Katalogtext 1992) - Burghard Müller-Dannhausen
erstellt 16.10.2014
Reinhard Kohler
Versuch über bemerkenswerte Eindrücke
Katalogtext zur Ausstellung im Landesmuseum Oldenburg 1992
Katalogtext zur Ausstellung im Landesmuseum
Oldenburg 1992 - Burghard Müller-Dannhausen
erstellt 16.10.2014
Peter Reindl: Burghard Müller-Dannhausen:
„Farbkonstrukte 1974–1990“
Katalogtext zur Ausstellung im Landesmuseum Oldenburg 1992
Katalogtext zur Ausstellung im Landesmuseum
Oldenburg 1992 - Burghard Müller-Dannhausen
erstellt 16.10.2014